DeutschEnglishISDP Interregionale Schule für EntwicklungspraktikerInnen

Glossar

Inhalt

Anthroposophie
Biografiearbeit
Bioregion (auch Ökoregion)
Demokratie
Denkpraxis: Lebensbezogenes Denken: Vernetztes- & Praktisches Denken
Dreigliederung des Sozialen Organismus
Entwicklung & Entwicklungspraxis
Ganzheitliche Entwicklung
Geistesleben
Gemeinwesen
Gemeinwesenentwicklung
Inklusion
Innovation
Karma & Schicksal
Mensch sein heute
Nachhaltigkeit
Rechtsleben
Innovation
Resilienz (Belastbarkeit)
Sozialeurythmie
Wesensglieder des Menschen
Wirtschaftsleben


Anthroposophie

Anthroposophie leitet sich von den griechischen Wörtern “anthropos” (Mensch) und “sophia” (Weisheit) ab und bedeutet “die Weisheit des Menschen”. Der Begriff Anthroposophie wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts geprägt. Der in Ungarn geborene Philosoph Dr. Rudolf Steiner begründete die für die damalige Zeit moderne Form der Geisteswissenschaft.

Unter Geisteswissenschaft wird das Wissen verstanden geistige Gesetze, welche die Grundlage für alle lebenden und nichtlebenden Wesen auf der Erde und im Kosmos bilden, erfassbar und nachvollziehbar zu machen.

Die Entwicklung der Menschheit vollzieht sich in verschiedenen Stufen und Kulturen und soll letztlich zu einem individuellen höheren Bewusstsein führen, welches durch aufarbeiten der eigenen Biographie in einzelnen Schritten zu neuen Einsichten und Impulsen im Leben jedes Menschen durchdrungen werden kann. (s. Biographiearbeit)

u.a. https://steiner.wiki/Anthroposophie

ISDP bringt Anthroposophie zum Leben, versteht sich als Bildungsinitiative der angewandten Anthroposophie.

Biographiearbeit

Bei der Biografiearbeit geht es im Wesentlichen um den individuellen Menschen und sein Leben. Sie ist eine aktive Praxis zur Entwicklung von Selbsterkenntnis. Die Biographiearbeit gründet auf dem Werk von Dr. Rudolf Steiner (s. auch Anthroposophie). In der Biographiearbeit wird der Mensch (Mikrokosmos) als Teil grösserer Organisationen (Welt, Erde, Natur und Kosmos als Meso- und Makrokosmen) verstanden. Fokussiert wird in der Biographiearbeit auf das gegenwärtige Leben und eine dem Menschen gemässe Entwicklung des Individuums.

Biographiearbeit ist ein vertiefter und strukturierter Prozess, der das Individuum in seinem individuellen Alter und im heutigen Menschsein verankern will und zudem verschiedene individuelle Ziele verfolgen kann, z.B. die eigene Bestimmung erkennen, Ressourcen für die Lebensgestaltung finden, Übergänge und Entwicklungsschritte bewusst gestalten, den eigenen Handlungsspielraum erweitern und kritischen Lebensereignissen anders begegnen. In diesem Sinne ist Biographiearbeit ein Weg zur Selbstermächtigung und zur Steigerung der individuellen Selbstwirksamkeit.

Ein besseres Verständnis der menschlichen Entwicklung kann zudem zu einem größeren sozialen Verständnis und einem tieferen, echten Interesse an den Mitmenschen führen. Gemeinschaften – als soziale Organismen – müssen der individuellen menschlichen Entwicklung Raum geben, um selber belastbarer und damit zukunftsfähiger zu werden.

u.a. https://goetheanum.co/de/hochschule/biographiearbeit

ISDP verbindet die individuelle Entwicklung mit der uns verbindenden Entwicklung als Menschen.

Bioregion (auch Ökoregion)

Eine Bioregion ist ein Öko-Organismus (Land- und Wassergebiet), dessen Identität durch geographische Grenzen menschlicher Gemeinschaften und ökologischer Systeme definiert ist und nicht durch nationalstaatliche Grenzen. Das Konzept des Nationalstaates wird hier durch das Verständnis der Bioregion erweitert.

Eine Bioregion muss groß genug sein, um die Unversehrtheit eines Ökosystems und seiner biologischen Gemeinschaften als Lebensräume einer Region zu erhalten und wichtige ökologische Prozesse (wie Wasserläufe, Nahrungs- und Abfallzyklen) zu unterstützen.

Unter Berücksichtigung der Lebensraumanforderungen und der beteiligten Schlüssel- und Indikatorarten nutzen die menschlichen Gemeinschaften eine Bioregion mit Rücksicht auf biologische Vielfalt und natürliche Ressourcen.

Eine Bioregion bedingt somit eine gewisse Grösse und ist jedoch klein genug, damit die Einwohnenden sie als ihr Zuhause betrachten können.

u.a. https://bioregions.org/

ISDP setzt sich für die Entwicklung autonomer und interdependenter Bio-Regionen ein, die Heimat für darin lebende Menschen, Tieren und Pflanzen bieten.

Demokratie

Der Begriff Demokratie kommt aus dem Griechischen – wo Demokratie im antiken Griechenland durch Aristoteles definiert worden ist – und setzt sich zusammen aus den Begriffen demos (gr. das Volk/die Leute) und kratos (gr. Befugnis/Macht). Demokratie bedeutet demnach die Herrschaft durch die Bürger (nur freie Männer, keine Sklaven und keine Frauen durften in der demokratischen Epoche im antiken Athen regieren).

Die sogenannten ‚repräsentative Demokratien’ müssten richtigerweise als Republiken bezeichnet werden. Republik und Demokratie jedoch sind nicht das Gleiche. In einer Republik dürfen die Bürgerinnen und Bürger unter einer ihnen vorgesetzten Auswahl wählen wer sie regieren darf. In einer Demokratie jedoch regieren die Bürgerinnen und Bürger selber. Wahlen – das heutige Kriterium für Demokratie – sind nicht demokratisch. Jede Einschränkung der Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern am Regieren sind demnach undemokratisch.

Heute gibt es vielerorts auf der Welt Initiativen, die Demokratie richtig verstehen und sie in Form von Bürgerinitiativen umsetzen. Wenn wir also von Demokratie sprechen, sprechen wir von Regierungsformen (Ebene des Rechtslebens), welche durch die Einwohnenden selber wahrgenommen werden und wollen diese Form der Verantwortungsübernahme fördern.

u.a. https://www.newdemocracy.com.au/ und https://participedia.net/

ISDP hilft Demokratie – als den Menschen gemässe Form das Rechtsleben zu organisieren – richtig zu verstehen und entwickeln.

Denkpraxis: Lebensbezogenes Denken: Vernetztes- & Praktisches Denken

Die Welt ist nach Gedanken aufgebaut, deshalb können Gedanken aus ihr herausgeholt werden. Wer von wirklicher Denkpraxis reden will muss also wissen, dass Gedanken nur aus einer Welt herauszuholen sind, in der Gedanken drinnen sind. (nach Rudolf Steiner)

Die Probleme der Gegenwart sind verknüpft mit der gegenwärtigen Denkpraxis (lineares, einseitiges und abstraktes Denken). Zukunftsfähigkeit braucht neue, andere Denkpraxis. Unsere Denkpraxis kann als solche sowohl auf Denkinhalte als auch auf Denkformen überdacht werden. Dabei spielen die Fähigkeiten zu sowohl vernetztem (ganzheitlichem) als auch praktischem Denkens eine zentrale Rolle.

Vernetztes Denken bedeutet in Zusammenhängen, Beziehungen, Bezügen und Wechselwirkungen denken zu können und wird auch ‚ganzheitliches Denken’ genannt. Grundlage einer solchen Denkpraxis ist die Erkenntnis, dass was existiert miteinander in Bezug – sogar in Beziehung – steht. Unser Gehirn – unser ganz individueller ‚Hafen’ für unser Denken – so ausgerichtet, dass wenn wir denken ‚netzwerkartige elektrische Impulse’ in unseren Gehirnzellen entstehen. Es ist also für vernetztes Denken eingerichtet.

Lebensbezogenes Denken ist den gegenständlichen Dingen so nahe wie möglich.

ISDP fördert die praktische Ausbildung von lebensbezogenem, vernetztem und lateralem Denken in allen Inhalten um die Fähigkeit kritisch zu reflektieren und prüfen zu stärken.

Dreigliederung des Sozialen Organismus

Die Dreigliederung des sozialen Organismus ist oder Soziale Dreigliederung ein Leitbild für gesellschaftliche Ordnung und Entwicklung, das in den Jahren 1917–1922 von Rudolf Steiner entworfen und ausgearbeitet wurde. Ihr liegt das Verständnis zugrunde, dass der menschliche Organismus aus interabhängigen Organisationen besteht, die verschiedene Aufgaben wahrnehmen um den Gesamtorganismus Mensch am Leben zu erhalten.

Die Soziale Dreigliederung beschreibt die Grundstruktur einer Gesellschaft, in der die Koordination der gesamtgesellschaftlichen Lebensprozesse nicht zentral durch den Staat oder eine Führungselite erfolgt, sondern in der sich die drei Bereiche des sozialen Lebens: Geistesleben, Rechtsleben und Wirtschaftsleben selbst verwalten und relativ autonom den je eigenen Funktionsprinzipien folgen.

Dieses Verständnis ist die Grundlagen für eine zeitgemässe und sowohl ganzheitlich als auch nachhaltig belebende Durchdringung der menschlichen Gemeinschaft und der bioregionalen Entwicklung. Es basiert auf dem Verständnis, dass moderne Menschen frei, gleichberechtigt und geschwisterlich leben, damit eine dem Menschen Entwicklung möglich ist.

u.a. https://www.dreigliederung.de/ und http://www.globenet3.org/index.shtml und https://anthrowiki.at/Soziale_Dreigliederung

Die Dreigliederung des Sozialen Organismus ist kein Programm. ISDP lehrt die Menschen Dreigliederung denkerisch zu erfassen und empfindungsmässig wahrzunehmen um im rechten Bereich, die richtigen Impulse geben zu können. Der sich daraus ergebende Dreiklang – vom Ich, Du und Wir – ist die Grundlage der an der ISEP vermittelten Gemeinwesengestaltung.

 

Entwicklung & Entwicklungspraxis

Während Wachstum ein Ausdehnen ist – ein Mehr vom Gleichen -; etwas, das einfach geschieht erfordert Entwicklung Wille; In diesem Fall den Willen etwas, das ‚eingewickelt’ und darum noch nicht offenbar ist – zu entwickeln, hervorzuholen.

Beides sind Prozesse in der Zeit.  Wachstum bezieht sich auf eine quantitative Zunahme (eine Zunahme des Volumens) während die Struktur (das System) unverändert bleibt. In der Natur geschieht Wachstum von selbst. Es liegt in der “Natur” der Lebewesen.

Entwicklung hingegen bedeutet eine Veränderung der Qualität (eine Individualisierung aber auch eine Absonderung). Sie legt etwas frei, macht das ‚Eingewickelte’ offenbar und hebt das “Wesen” von einer Stufe zur nächst höheren. Entwicklungspraxis stellt also eine Veränderung sowohl des Wesens als auch seiner Form (des Systems resp. des Organismus) dar (ein Individuationsprozess), ob bei einem einzelnen Menschen oder bei einer sozialen Gruppierung, indem sie wesenhaftes hervorbringt, das ohne den Entwicklungsprozess verborgen bleiben würde. Dass Entwicklung nicht zerstörerische Kräfte entfesselt sondern individuelles, schöpferisches Potential entwickelt, muss sie sich zwingend an der Menschlichkeit und Zukunftsfähigkeit ausrichten und ein Verständnis für Dämone haben, die freigesetzt werden! (s. Wesensglieder: Schatten und Doppelgänger)

Entwicklungspraxis ist ein neues Berufsfeld und basiert auf dem Verständnis, dass zwischen Wachstum und Entwicklung unterscheiden werden muss und für Entwicklung andere, bewusste Wege beschritten werden müssen (s. auch Berufsbild).

Inspiriert u.a. durch Allan Kaplan’s “The Development Practitioner’s Handbook” Pluto Press, 1996

Für ISDP bedeutet Entwicklung das Freisetzen von menschlich-kreativen, schöpferischen Möglichkeiten bei allen Mitgliedern einer Gemeinschaft (anlehnend an Manfred A. Max-Neef). Nichts weniger entspricht der Aufgabe von Entwicklungspraktier*innen.

Ganzheitliche Entwicklung

Eine ganzheitliche Entwicklung verbindet die Entwicklung der Individuen mit der Entwicklung von Gemeinschaften (s. auch Entwicklung & Entwicklungspraxis). Das heisst, damit die Entwicklung eines Gemeinwesens zeitgemäß und zukunftsfähig (und somit nachhaltig) werden kann, muss die Dimension der individuellen Entwicklung der Einwohnenden einbezogen werden.

Darüber hinaus erfordert eine ganzheitliche Entwicklung das Verständnis einer Gemeinschaft als lebendigen Organismus – bestehend aus verschiedenen Organisationen (s. auch Dreigliederung) – um jede der Organisationen entsprechend ihren Grundbedürfnissen richtig entwickeln zu können.

Eine ganzheitliche Individualentwicklung bringt das individuelle Leben mit der ‚universellen’ Lebensentwicklung des Menschen in Einklang.

Ganzheitliche Entwicklung erfolgt in dem Masse, in dem die Entwicklung einer Gemeinschaft der Entwicklung seiner Mitglieder ebenso förderlich ist wie die Entwicklung der einzelnen Mitglieder der Entwicklung der Gemeinschaft zugute kommt.

ISDP befähigt Menschen mit Gruppen zu individueller und menschlicher Entwicklung zu arbeiten und dies der Entwicklung sozialer Organismen einzuverleiben.

Geistesleben

Das Geistesleben begründet sich mit der Urteilsform des individuellen Urteils (denn über Erkenntnis und Wahrheit lässt sich nicht abstimmen), sowie dem freien Ratschlag, statt dem Gesetz.

Das Geistesleben umfasst die Bereiche Bildung, Religion, Kunst, Gesundheit, Wissenschaft und Forschung, die Rechtsprechung im Privat- und Strafrecht bis hin zu den individuellen Begabungen, die wir frei entfalten und dem Menschen gemäss entwickeln sollen.

Das Geistesleben gründet sich auf Freiheit und kann nicht staatlich reglementiert werden.

u.a. https://anthrowiki.at/Soziale_Dreigliederung

ISDP setzt sich für eine freie Entfaltung des Geisteslebens (und seiner Bereiche) ein weil nur durch ein freies Geistesleben die Zukunft richtig ergriffen und gestaltet werden kann.

Gemeinwesen

Der Begriff Gemeinwesen umfasst alle Organisationsformen des menschlichen Zusammenlebens, die über den Familienverband hinausgehen (z.B. Gemeinden, Quartiere, Kirchgemeinden). Ein Gemeinwesen beinhaltet die Dimensionen eines geographisch definierten Gebietes (s. auch Bioregion), soziale Bindungen und das Zusammenwirken seiner Bewohnerinnen und Bewohner für ein gemeinsames Wohl und ein gemeinsames Ziel und bietet als solches Raum für politisches Handeln.

Ein Gemeinwesen ist ein sozialer Organismus – eine lebendige Einheit – und benötigt als solche eine dynamische Struktur, um den Bedürfnissen ihrer verschiedenen Systeme und den Aufgaben, die sie zu erfüllen hat, gerecht zu werden. Solche Systeme lassen sich am besten verstehen, wenn man sich die verschiedenen Systeme des menschlichen Körpers ansieht. Eine Gemeinschaft ist nie Selbstzweck, sondern muss die individuelle menschliche Entwicklung ermöglichen (s. auch Dreigliederung).

u.a. „Qualitätsmerkmale der gemeinwesenorientierten Arbeit in den Stadtteilzentren des Vereins Wiener Jugendzentren“, Wien, 2003 und

https://www.rudolfsteinerweb.com/Threefold_Social_Order.php

ISDP sieht zukünftige Gemeinwesen als Gemeinschaften die einen gemeinsamen Willen Ausdruck geben wollen und aus Initiativen hervor gehen.

Gemeinwesenentwicklung

Gemeinwesenentwicklung bezieht sich auf die Entwicklung lokaler oder regionaler Gebiete (s. auch Bioregion) durch die Einwohnenden selber; als eigenständiger politischer und kultureller Akt; als Korrektiv zu Macht und Markt, mit dem Ziel des partizipativen Aufbaus und der Stärkung der Zivilgesellschaft.

Weitere Ziele der Gemeindeentwicklung sind die Förderung der Selbsthilfe und Selbstorganisation durch die Wiedereinführung des Gemeingutes, die Förderung des Sozialkapitals zur Sicherung der sozialen Integration, der nachhaltigen Nutzung sowie des Schutzes und des nachhaltigen Umgangs mit natürlichen Ressourcen, der Aufbau und Erhalt von Netzwerkstrukturen und kooperativer Infrastruktur für die bioregionale / lokale Wirtschaft, die Dezentralisierung und Dreigliederung der Verwaltung sowie deren Zugänglichkeit gemäss demokratischer Prinzipien (s. auch Demokratie) und die Entwicklung eines bedarfsgerechten sozioökonomischen Sektors(nach dem Prinzip der Geschwisterlichkeit) auf der Grundlage von Verfügbarkeit, Versorgungs- und Arbeitssicherheit für die Einwohnenden.

Weitere Aspekte, die lokale und regionale Werte hinzufügen und erhalten, sind Ernährungs-, Wasser- und Energiesouveränität und Abfallmanagement (Weiterverwertung der anfallenden Abfälle wie in der Kreislaufwirtschaft). Darüber hinaus befassen sich die Gemeinschaften mit der Verwendung von Regionalwährungen, Fragen der Landnutzung und der Landrechte sowie mit dem Schutz der (regionalen) Ökosysteme.

Gemeindeentwicklung mobilisiert die Potentiale einer bestimmten Bioregion und ihrer Akteure und findet Synergien und Lösungen für Probleme und komplexe Situationen.

u.a. https://www.iacdglobal.org/

Damit Gemeinwesen als lebendige soziale Organismen begreifen werden, die auch einen universellen Sinn haben: nämlich den innelebenden Menschen ihre Entwicklung als Individuum und als Menschen zu ermöglichen, befähigt IDSP Menschen ihre Gemeinschaft entsprechend dreigliederig zu gestalten.

Inklusion

Der Begriff Inklusion wurzelt im Lateinischen und bedeutet als Verb includere was soviel bedeutet wie einlassen und einschließen, das Sustantiv inclusio bedeutet Einschließung und Einbeziehung.

Als soziologischer Begriff beschreibt das Konzept der Inklusion eine Gesellschaft, in der jeder Mensch akzeptiert wird und gleichberechtigt und selbstbestimmt an dieser teilhaben kann – unabhängig von Geschlecht, sexueller Orientierung, Alter oder Herkunft, von Religionszugehörigkeit oder Bildung, von eventuellen Behinderungen oder sonstigen individuellen Merkmalen.

In der inklusiven Gesellschaft gibt es keine definierte Normalität, die jedes Mitglied dieser Gesellschaft anzustreben oder zu erfüllen hat. Normal ist allein die Tatsache, dass Unterschiede vorhanden sind. Diese Unterschiede werden als Bereicherung aufgefasst und haben keine Auswirkungen auf das selbstverständliche Recht der Individuen auf Teilhabe. Aufgabe der Gesellschaft ist es, in allen Lebensbereichen Strukturen zu schaffen, die es den Mitgliedern dieser Gesellschaft ermöglichen, sich barrierefrei darin zu bewegen.

u.a. http://www.inklusion-schule.info/inklusion/definition-inklusion.html

ISDP zieht den Begriff Inklusion dem Begriff ‚Integration’ vor. Die Aufgabe des Individuums besteht darin sich auf ein Leben am Ankunftsort einzulassen und die Aufgabe der ortsansässigen Gesellschaft besteht darin Neuzuzüger*innen aufzunehmen (einzuschliessen).

Innovation

Der Begriff Innovation bedeutet mehr als nur “neu”. Innovation erfordert, in jedem Bereich – in erster Linie in Konsum und Wirtschaft aber auch im individuellen Leben, im Recht und allen anderen Bereichen des Gemeinschaftslebens (s. auch Demokratie und Dreigliederung des sozialen Organismus und Entwicklungspraxis) – über das System mit seinen festgelegten Parametern hinauszudenken ohne dabei natürliche Grenzen zu missachten und kreative Wege zu suchen, innerhalb natürlicher Grenzen zu leben.

Innovation basiert auf einer erweiterten Wahrnehmung von Werten und wichtigen Fragen. Innovation fördert dabei die menschliche und gemeinschaftliche Entwicklung ganzheitlich und nachhaltig.

Für ISDP heisst Innovation weder Mode noch Trend und ist kein Ziel in sich selber sondern die Fähigkeit die Welten zukunftsfähig zu gestalten.

Karma & Schicksal

Wenn etwas aus dem Gleichgewicht fällt, muss es wieder ausgeglichen werden damit ein Vorwärtsprozess (und damit Entwicklung) möglich wird. Wir Menschen schaffen in unseren Leben dauernd Ungleichgewichte. Dies auszugleichen, dafür braucht es Karma. Der Begriff kommt aus dem Sanskrit und bedeutet tun, machen, handeln und wirken.

Karma bezieht sich auf das spirituelle Prinzip von Ursache und Wirkung. Wo bewusste und unbewusste Absichten und Handlungen eines Individuums (als Ursachen) geistigkosmische Ordnung und auch dessen eigene seelisch-geistige Integrität stören, schlagen sie auf das Individuum selbst zurück (als Wirkung); beeinflussen die Zukunft dieses Menschen und müssen notgedrungen ausgeglichen werden (Karmagesetz). Karmaverständnis bedingt das Verstehen mehrer Inkarnationen als Mensch auf dem Planet Erde.

Herkömmlicherweise werden die Begriffe Karma und Schicksal synonym gebraucht. Wir unterscheiden. Karma bezieht sich hier auf die Vergangenheit jedes Menschen für die jeder Mensch seinen Ausgleich schafft. Im Karma sind wir nicht frei. Anders im Schicksal. Schicksal – altniederländischschicksel, für ‚Fakt – bezeichnen wir als die Zukunft eines jeden Menschen, die Fakten also, die wir frei gestalten können. Unbewusstes Tun und Wirken bewirkt unfreies Karma. Bewusste Schicksalsgestaltung macht uns zu freien Menschen.

u.a. https://steiner.wiki/Karma

ISDP setzt mehrer Leben voraus ohne sie zu predigen oder ergründen zu wollen. Die Erklärung unserer Individualität findet sich in unserem Karma. Unsere Freiheit als Menschen offenbart sich in unserer Schicksalsgestaltung.

Mensch sein heute

In der deutschen Sprache – die Sprache des Humanismus – wird unterschieden in menschliches und unmenschliches Verhalten. Menschliches Verhalten zeichnet uns als Mensche unmenschliches Verhalten als Unmenschen aus.

Ein Mensch der die Würde eines andern Menschen angreift, entwürdigt sich selber. In der Tat kann ein Mensch nur sich selber nicht aber einen andern Menschen entmenschlichen.

ISDP fördert die Auseinandersetzung mit dem Menschsein, wie es sich heute offenbart und in Abgrenzung zur immer wieder aufflackernden Unmenschlichkeit.

Nachhaltigkeit

Der Begriff Nachhaltigkeit wurde 1987 von der Brundtland-Kommission geprägt und bezieht sich auf “eine Entwicklung, welche die Bedürfnisse der heutigen Generationen befriedigt, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen”.

Obwohl sowohl Begriff als auch Definition durchaus fragwürdig sind – wir kennen die Bedürfnisse kommender Generationen nicht und überbrücken mangelndes Wissen mit der Annahme, dass die Bedürfnisse kommender Generationen gleich sein werden wie unsere – soll er hier aufgeführt werden, weil von Regenerationsfähigkeit natürlicher Systeme (s. auch Bioregion) ausgegangen wird.

Keines der Systeme – weder das ökologische, noch das soziale oder das ökonomische – darf ausgebeutet, d.h. über seine Regenerationsfähigkeit hinaus genutzt oder gegeneinander ausgespielt werden.

Natürliche Ressourcen sollten nur soweit erschöpft werden, wie sie wieder nachwachsen können, wobei Lebensräume und Biodiversität erhalten bleiben müssen. Nicht erneuerbare Ressourcen sollen möglichst nicht abgebaut werden und nur dann, wenn sie für die Umwelt gefahrlos weiterverwendet werden können (s. Zirkulare Ökonomie).

Ressourcen, die wirtschaftlich genutzt werden, sollen den lokalen resp. bioregionalen Einwohnenden zugute kommen. Ein Raubbau von Ressourcen um rein kommerzielle Interessen partikularer Gruppen und um überregionale Bedürfnisse zu befriedigen ist nicht nachhaltig.

u.a. https://www.nachhaltigleben.ch/nachhaltigkeit-definition-1038

Wer lebt (ver)braucht Ressourcen. ISDP fördert das Verständnis dafür was Ressourcen überhaupt sind und wie diese lebensförderlich genutzt und dahingehend verwendet werden, dass sie sich wenn immer möglich erneuern resp. revitalisiert werden können.

Rechtsleben

Das Rechtsleben umfasst die Verwaltung einer Gesellschaft und regelt das Verhältnis von Mensch zu Mensch in dem wir uns als gleichberechtigte Wesen begegnen sollen nach dem Prinzip der Gleichheit in für alle gleich geltenden Gesetzen. Im Gegensatz zu unseren unterschiedlichen Begabungen und Fähigkeiten sind wir als mündige Menschen gleiche unter Gleichen (weder der Reiche noch der Intelligente oder irgend ein anderer hat Sonderrechte).

Das Rechtsleben beinhaltet eine demokratische Urteilsform (s. auch Demokratie), das alle Gesetze und Vorschriften im weiteren Sinne umfasst (mit dem Merkmal der Eventualität); im wesentlichen, das was in einer Gesellschaft nicht geschehen soll. Auch die Regelung der Arbeit nach Art, Maß und Zeit ist Teil des Rechtslebens.

u.a. https://anthrowiki.at/Soziale_Dreigliederung

ISDP fördert ein Verständnis des sogenannten ‚Staatslebens’ als Bereich der Demokratie – Eben der Gleichheit von Menschen unter Menschen – und dem Wille dieses Rechtsleben vom Erwartungs- hin zu Verantwortungsrecht zu entwickeln.

Resilienz (Belastbarkeit)

Der Begriff der Resilienz wurde in der Gesundheitsförderung eingeführt und bezieht sich auf die Fähigkeit eines Individuums, sich angesichts sozialer Benachteiligung oder höchst ungünstiger Lebensbedingungen möglichst erfolgreich an Lebensaufgaben anzupassen.

In der Gemeindeentwicklung bezieht sich der Begriff Resilienz auf die Fähigkeit von Gemeinschaften und Regionen (oder Institutionen), die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um Ressourcen und Infrastrukturen zu sichern und die natürlichen, sozialen und kulturellen Strukturen zu schützen, die notwendig sind, um sich den Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft zu stellen und trotz externer Herausforderungen (wie z.B. dem Klimawandel) zu gedeihen.

Dies bedeutet die Durchführung und Verbesserung von Maßnahmen zur Bewältigung von Einflüssen, die eine Gemeinschaft oder Region bedrohen (z.B. Ökozid), und zur Anpassung an die Auswirkungen realer, herausfordernder Ereignisse, mit dem Ziel, die ökologischen, sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und geistigen Lebensfähigkeiten einer Gemeinschaft oder Bioregion zu gewährleisten mit dem Ziel einer erhöhten Robustheit des sozialen Organismus.

u.a. [1] Campanella, T., Vale, L.: ”The Resilient City: How Modern Cities Recover From Disaster”, New York, 2005

Resilienz bildet sich sowohl auf einer individuellen als auch einer gemeinschaftlichen Eben ab. ISDP hilft beide Ebene zu entwickeln d.h. die Stärken, die sich im Mensch sein offenbaren zu leben und die gemeinschaftlichen Herausforderungen vorausschauen angehen zu können. .. Selbstorganisation und dezentral & open source & creative commons

Sozialeurythmie

Eurythmie entstand am Anfang des 20. Jh. – inspiriert und angeleitet durch Dr. Rudolf Steiner († 1925) – auf der Suche nach einer heilsamen Bewegungskunst, die den ganzen Menschen -Körper, Seele und Geist- einbezieht.

Daraus entstand Sozialeurythmie für soziale Arbeitsfelder um sie  dort einzusetzen, wo innovative Ideen und Kreativität gefragt sind, soziale Wahrnehmung verfeinert werden soll und einseitige Gewohnheiten  Ausgleich erfahren sollen. Als Vitaleurythmie gibt sie Bewegungen, die jeder eigenverantwortlich im Alltag üben kann, um sich frisch und lebendig zu erhalten.

u.a. http://sozialeurythmie.net/

ISDP nützt die gemeinschaftsbildende Kraft von Sozialeurythmie und bezieht sie in das sozial-gestalterische Erleben mit ein.

Wesensglieder des Menschen

Das Ich ist der Geistträger und geistige Wesenskern des Menschen, der uns zu autonomen, individuellen Persönlichkeiten macht und uns Bewusstseinsentwicklung und die Fähigkeit zur Freiheit (Denken über das Denken) ermöglicht, durch Beobachtungs- und Erkenntnisfähigkeit. Das Ich ist auch der Sitz des Selbstbewusstseins und geistig schöpferischen Qualitäten. Zur menschlichen Organisation hat dieses Wesensglied nur eine kurz bindende – sich gleich wieder lösende – Beziehung. Es gibt drei Ich-Ebenen: Alltages-Ich (s. das Selbst), das höhere Ich (Ich) und das Christus-Ich (das Ich des neuen, geistgerichteten Menschen nach dem Mysterium von Golgatha).

Das Selbst bezeichnet die in einem Leben erworbene Persönlichkeit mit all ihren Zuschreibungen (von aussen) und den Rollen, in die wir durch unser gegenwärtiges Leben gestellt werden. Da diese Formung schon sehr früh beginnt, können wir uns ihr nicht entziehen und entwickeln darum ein Selbst als Konsequenz unseres Seins (z.B. als Frau oder Mann) und als Reaktion auf dasselbe. Das Selbst bezeichnet auch die ‚unterste’ Ich-Ebene.

Der Schatten symbolisiert im allgemeinsten Verständnis das bedrohlich wirkende Unbewusste und damit all das was wir in unserem Leben nicht einordnen und verarbeiten können und darum dem Unbewusstsein hinfällt. Das Unbewusste hat als solches eine bedrohliche Qualität und wird durch Angst auslösende Erlebnisse aktiviert. Dann reagiert unsere Schattenpersönlichkeit. Unerlöste Schattenthemen werden zur Nahrung des Doppelgängers.

Der Doppelgänger wird in der Anthroposophie beschrieben als das bei Lebensende noch unaufgelöste Seelische (das Unbewusste); der Astral-Leichnam eines Menschen, der sich bei der Wiederverkörperung mit dem neuen Astralleib vereint. Doppelgänger-Erlebnisse treten oft spontan auf, meist ausgelöst durch eine vorangegangene starke seelische Erschütterung oder bei einer starken Einschränkung des Bewusstseins. Im Doppelgänger tritt uns die eigene, gegenwärtige karmische Schuld und das Unerlöste vergangener Leben entgegen, welches sich über alle Inkarnationen zu einem eigenständigen, ätherischen, unserem jeweiligen physischen Leib ähnlich sehenden Über-Ego entwickelt hat. Der Doppelgänger nährt sich von verdrängten, unbewussten und unaufgelösten Seeleninhalten.

ISDP Ziel der menschlichen Individualitätsentwicklung ist das ‚Mensch erkenne Dich selber – als Mensch und als Individuum (ersteres … Orakel von Delphi). Teilnehmende sollen sich selber wie ‚von aussen betrachten’, die drei unteren Wesensglieder erleben lernen und ein starkes Empfinden für diese Wesensglieder entwickeln um durch ihr höchstes individuelles Wesensglied – das Ich – diese niederen lenken und erlösen zu können.

Wirtschaftsleben

Das Wirtschaftsleben entfaltet sich auf der Grundlage des nutzbaren Bodens im Kreislauf der Warenherstellung (Produktion), des Vertriebs (Handel) und des Verbrauchs (Konsum). Es soll nach dem Prinzip der Geschwisterlichkeit durch Assoziationen geregelt werden.

Geschwisterlichkeit meint die Fähigkeit sich auf das Gegenüber zu beziehen; das Gegenüber in den Mittelpunkt unseres Handelns zu stellen und grosszügig zu sein.

Das Wirtschaftsleben umfasst auch die Verträgen zwischen den Wirtschaftenden, das die Produktion, den Handel und Konsum von Waren und Dienstleistungen regelt und wird gesteuert durch kollektive Urteile, gewonnen in den Assoziationen.

u.a. https://anthrowiki.at/Soziale_Dreigliederung

ISDP entwickelt Wirtschaftskreisläufe, die auf einem tatsächlichen (statt künstlich durch Werbung hervorgebrachten) Bedarf beruhen und somit eine Hinwendung zum Du bedingen und dabei keinen Abfall sondern neue Ressourcen und Möglichkeiten auftun; nach dem Prinzip weniger ist mehr und mit dem Ziel des Aufbaus und Erhaltens von regionalen Werten (Produkte und Dienstleistungen).